Herzlich willkommen Alt-Katholische Gemeinde Wilhelmshaven
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Ostern:

Christus ist erstanden! Wie das denn …?

Es gibt keine biblische Aussage, die mich schon als kleiner Junge mehr fasziniert hat, als die von Ostern und der Auferstehung Jesu. Wie spannend, wie geheimnisvoll und mirakulös, und gleichzeitig so anschaulich wurde diese Geschichte doch z.B. in den berühmten Jesusfilmen - z.B. in „Die größte Geschichte aller Zeiten“ von 1965 - dargestellt.

 

Später dann hinterfragte ich, was denn mit dieser Auferstehung eigentlich gemeint sei. Auch heute noch findet man dazu entweder hochtheologische Überlegungen (die letztlich auch nicht auf Wissen, sondern naturgemäß alleine auf dem Glauben ihrer Autoren basieren können) oder eine wortwörtliche Auslegung oder aber gar keine (zufriedenstellende, nachvollziehbare) Antwort. Auch in den Gottesdiensten wurde/wird diese Frage oft nur vage thematisiert. Meist einigt man sich auf eine nebulöse Formulierung wie „verklärte Auferstehung“ oder „Auferstehung in eine andere Wirklichkeit“ – doch wie kann ich dies verstehen, erfahren, spüren? Wie und wo ist diese andere Wirklichkeit? Wie war es historisch, damals, nach Jesu Kreuzigung?

 

Nun wäre es sicherlich zu viel verlangt, von den christlichen Kirchen eine definitive Antwort auf die Frage „Was ist Auferstehung?“ zu erwarten, denn schließlich handelt es sich hier ja eben um eine Frage des Glaubens – und nicht eines (z.B. empirisch überprüfbaren) Wissens. Wissenschaftstheoretisch kategorisiert ist der Glaube (an die Auferstehung) eine nicht wahrheitsfähige Aussage, d.h. wir können sie nicht als „wahr“ oder „falsch“ charakterisieren, zumal noch niemand die (seine) Auferstehung nach seinem Tod erfahren hat und anschließend wieder in einem irdischen Leben darüber berichten konnte.

 

Gleichwohl ist der Glaube an die Auferstehung Kern des Christentums – was für uns Grund sein sollte, dies immer wieder zu thematisieren und nach außen, in die Welt hinein zu tragen. Dieses Vermitteln unseres Glaubens muss aber auch eine im wahrsten Sinne des Wortes glaub – würdige Auslegungen des Ostergeschehens zum Inhalt haben. Mirakulöse Auslegungen, die nicht mehr würdig sind, geglaubt zu werden, taugen zwar für spannende Spielfilme, werden Menschen aber nicht die Begeisterung des Christentums in sich spüren lassen.

Auferstehung: Zweifelst Du noch

oder glaubst du schon ...?

Die nachfolgende Mindmap, also eine Karte möglicher Gedanken zum Thema „Auferstehung“, versucht die unterschiedlichen Aspekte und Interpretationen der Auferstehung Jesu zu thematisieren. Steigen Sie bei der Kernfrage „Wie ist Jesus auferstanden?“ oder an einer beliebigen Stelle der Mindmap ein, nehmen Sie sich die Zeit, folgen Sie den Verbindungslinien und beantworten Sie für sich selbst, welche Varianten und Fragen Sie als glaubwürdig erachten. Dabei soll nicht der Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet werden; dies ist kein „Wünsch-dir-was-Ostern“! Aber es ergeben sich möglicherweise neue Aspekte des Verständnisses, Erkenntnisse eines „ja, so glaube ich die Auferstehung“ bzw. „nein, so glaube ich dies nicht“.

Mindmap: Wie ist Jesus auferstanden? Zum Vergrößern oben links, zum Ausdrucken oben rechts klicken.

 

 

Es gibt Varianten und Auslegungen des Ostergeschehens, die ich für mich persönlich nicht als glaubwürdig ansehe. Ich glaube nicht, dass

  • die Jünger nur Halluzinationen hatten,
  • Jesus die Kreuzigung überlebt hatte oder sein Leichnam gestohlen/versteckt wurde,
  • Jesus als wiederbelebte Leiche oder als „Gespenst“ erschien (ebenso wenig Lazarus),
  • Jesus leiblich oder in einer optisch sichtbaren oder akustisch hörbaren Form den Emmausjüngern oder dem Thomas erschien.

 

Ist das nun Gotteslästerung oder gar Häresie? Ich denke nicht, sondern es führt zu einer Form der aufgeklärten Schriftauslegung (übrigens nicht durch mich, sondern durch viele Theologen, siehe das am Ende dieses Textes aufgeführte Textbeispiel) und ein Versuch, eine Beschreibung von Auferstehung zu geben, die (natur)wissenschaftlicher Erkenntnis nicht widerspricht und würdig ist, geglaubt zu werden. Das ist dann nicht weniger imponierend und spannend als die Darstellungen in den epischen Monumental-Jesus-Filmen oder den mittelalterlichen Gemälden zur Auferstehung. Und allemal eine größere Attraktion als die vielen säkularisierten Osterfeuer, die allerorts die Menschen in der Osternacht aus den Häusern (aber leider nicht in die Kirchen) locken. Gleichwohl vermisse ich bei Vielen (auch auf offiziellen Kirchenpublikationen) den Mut, sich von pathetischen und (geradezu abergläubigen) bibelwortgetreuen Interpretationen zu lösen. Wenngleich es keine „spezifische alt-katholische Auferstehungserzählung“ gibt, würde ich gerne dazu mehr konkretere Glaubensaussagen von meiner alt-katholischen Kirche lesen/hören: Wie interpretieren wir die Auferstehung? Was nehmen wir als geschichtlich an, was als literarisch? Wie erklären wir Ostern in wenigen, verständlichen und glaubwürdigen Worten einem Fragenden/Suchenden?

Ich kann durchaus an die Auferstehung glauben. Dies weniger als ein transzendentes, sondern vielmehr als ein dem Menschen und unserer Welt immanentes Ereignis, als eine immer wiederkehrende Erneuerung des ganzen Menschen durch den Glauben. So glaube ich, dass

 

  • der Verbleib von Jesus’ Körper/Leiche nach der Grablegung unrelevant ist, der Leib auch nicht verschwinden und das Grab auch gar nicht leer sein musste, um den Osterglauben auszulösen,

 

  • Ostern kein Termin, kein einzelnes Ereignis an einem einzelnen Ort war, sondern einen Prozess beschreibt, der sicherlich über viele Wochen und Monate in den Jüngern gewirkt hat,

 

  • eine tiefe Erkenntnis die Jünger ganzheitlich, wie in einem dauerhaften Flow-Erlebnis erfasste, und dass sie Jesus Gegenwart spürten, was im Sinne einer Offenbarung mehr ist als ein rein optisches Sehen oder eine reine „Gefühlsduselei“, so dass sie die „Sache Jesus“, insbesondere seine Menschen-/Nächstenliebe, nach/trotz Karfreitag fortführen konnten – und dass wir diese Entwicklung die „Auferstehung“ nennen dürfen,

 

  • Auferstehung, Himmel und Jenseits keine Orte und Zeiten nach unserem irdischen Leben sind, auf die wir vertröstet werden können (so wie es die Kirche jahrhundertelang als Unterdrückungsinstrument im weltlichen Leben gelehrt hat) bzw. die (ver-)trösten sollten, sondern hier und jetzt zeitgleich und in uns vorhanden sind bzw. stattfinden können,

 

  • Gott keine Naturgesetze außer Kraft setzen muss, um diese Form von Auferstehung und himmlischem Leben sowie sein Wirken real werden zu lassen,

 

  • die Autoren der Bibeltexte (inkl. Paulus) verschiedene literarische Elemente genutzt haben, um dies zu dokumentieren und zu vermitteln, wobei sie ihre Texte eher im Sinne eines „Liebesliedes“ als im Sinne eines historischen Polizeiprotokolls formulierten.

Kann ich dann noch voller Überzeugung „Das Grab ist leer …“ singen und „Christus ist gestorben – Christus ist erstanden – Christus wird wiederkommen“ beten? Ja, gerade weil ich auch diese Lied- und Glaubenstexte nicht wörtlich, sondern als Ausdruck der Bezeugung des Osterglaubens sehe. Die Jünger – und auch wir heute – erkennen und wiedererkennen die wahre und (ihnen/uns) bisher verborgene Identität Jesu, seine Ziele, seine Werte, sein Gottesbild, so dass ihr/unser jetziges Leben durch diese „Begegnung“ eine völlig neue Wendung erfährt. Mit einer solchen, für jeden auch kritischen Geist heute nachvollziehbaren Verstehensweise von Auferstehung sollten wir uns begnügen. Übrigens erwähnen auch die Paulus-Briefe, als früheste Zeugnisse des Auferstehungsglaubens, kein leeres Grab! Ob und mit welcher Form von Bewusstsein ich darüber hinaus nach dem Tod in Gott weiter existieren werde, das weiß ich nicht und das kann ich mir auch nicht nach meinem menschlichen Ermessen anschaulich vorstellen, sondern nur glauben. Aber ich bin schon sehr gespannt darauf (wobei es bitte noch etwas Zeit haben möge, denn zunächst geht es um die Auferstehungen in diesem irdischen Leben …;-) …

Und wie können Sie an die Auferstehung glauben?

Weitere interessante Publikationen zum Thema ...:

Durchaus „nett“, aber inhaltlich letztlich nicht befriedigend ist z.B.: http://www.katholisch.de/de/katholisch/video/video_details.php?id=1257

Etwas konkreter z.B.: http://www.ekd.de/glauben/abc/auferstehung.html oder http://www.ekd.de/glauben/feste/ostern/auferstehung_glauben.html.

Auf unserer alt-katholischen Bistums-Homepage und in unseren mir bekannten Publikationen habe ich zum Thema „Auferstehung“ leider keine Ausführungen gefunden (dies wohl auch, weil es keine „spezifische alt-katholische Auferstehung“ gibt). Weitere frei zugängliche Publikationen:

 

http://www.forum-grenzfragen.de/printable/diskurs/hans-kessler-wie-auferstehung-denken.html

 

http://www.kath.de/akademie/rahner/Download/Vortraege/inhalt-pdf/_beinert-leibseele.pdf

 

… und natürlich gibt es eine Themenübersicht auf Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Auferstehung_Jesu_Christi

 

Was ein „Flow“ ist, kann man z.B. hier nachlesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Flow_(Psychologie)

http://www.flow-usability.de/flowerleben.htm

Vielleicht trifft dies ja am besten den Zustand der Jünger um Ostern …

 

 

Die Auferstehung von Göttern, also die Idee, dass ein Gott sterben und zurück ins Leben kommen kann, findet sich übrigens auch bereits in vielen vorchristlichen Mythen früherer Religionen, so z.B.:

  • griechischer Fruchtbarkeitsgott Dionysos: von Titanen getötet und aus deren Asche als Gott wiedergeboren
  • ägyptischer Wiedergeburtsgott Osiris: Überschwemmung des Nils als Symbol für Tod und anschließende (alljährliche) Auferstehung
  • Babylon: Gott Marduk, der als Erlöser von seinem Vater zu den Menschen gesandt wird
  • Sumerer: Mythos von Inanna (die in die Unterwelt hinabsteigt und drei (!) Tage später wieder ins Reich der Lebenden geholt wird; siehe z.B. http://artedea.net/inanna/), oder Gott Tammuz, als Symbol der vergehenden und wieder auferstehenden Vegetation

Solche Berichte waren also für die ersten Christen „gewohnt“. Allerdings „sterben“ manche dieser Götter jedes Jahr, um immer wieder aufzuerstehen, da sie oft eine bildliche Personifikation von Naturvorgängen bedeuten. Und ihnen fehlt – anders als bei Jesus, dem Christus - die reale, historische, leibhaftige Basis.

 

Haben Sie die drei Wortwolken enträtselt? Sie bedeuten:

Christ sein heißt, einmal mehr auf(er)stehen – mit und in Gott!

Christ sein heißt, einmal mehr vertrauensvoll neu anfangen!

Christ sein heißt, einmal mehr verzeihen!

 

 

 

Prof. Dr. Torsten Kirstges

 

(Text von April 2014 zu Ostern. Der Text gibt die persönliche Meinung des Autors wieder.)

 

 

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